Grundsteinlegung

König Ludwig von Bayern hatte am 18. Oktober 1842 das Eröffnungsfest der Walhalla bei Donaustauf gefeiert, und am 19. Oktober (29. Jahrestag des Einzugs der Verbündeten in Leipzig), legte er den Grundstein eines zweiten monumentalen Bauwerks, den Grundstein der Befreiungshalle.
König Ludwig mit Gattin, begleitet von den Prinzen des Hauses und Gefolge, trafen gegen 1 Uhr Nachmittags in Kelheim ein. Mit einem feierlichen Empfang, Böllerschüssen, dem Läuten aller Kirchenklocken und den Zurufen tausender, versammelter Bürger, wurde König Ludwig empfangen. Nach kurzem Aufenthalt in Kelheim begab man sich zum Schauplatz des Geschehens - auf den Michelsberg zur Feierlichkeit, anlässlich der Grundsteinlegung der Befreiungshalle. Das königliche Paar wurde von der versammelten Volksmenge herzlich empfangen.

Ein Chor von 200 Sängern unter Begleitung der Landwehrmusik, stimmten das deutsche Volkslied "Lützow's verwegne Jagd" an. Der König begab sich in das für Ihn errichtete Zelt, umgeben als Wache von Kelheimer Landwehrmännern und 200 Veteranen aus den Befreiungskriegen. Nachdem das Königspaar und alle fürstlichen Gäste Platz genommen hatten, hielt der damalige Regierungspräsident von Niederbayern, Ritter v. Beisler, eine Festansprache. Der König erwiederte diesselbe mit folgenden Worten:
"Vergessen wir nie, was dem Befreiungskampfe vorhergegangen, was in die Lage uns gebracht, dass er nothwenig geworden, und was den Sieg uns verschafft. Vergessen wir nie, ehren wir immer seine Helden. Sinken wir nie zurück in der Zerrissenheit Verderben. Das vereinigte Deutschland, es wird nicht überwunden."

Anschließend wurde der König vom Hofmarschall und dem Flügeladjutanten zu einer Stelle begleitet, über der sich eine, auf acht Säulen ruhende Rotunde erhob. Auf dem Tisch befangen sich, die für die Grundsteinlegung vorgesehenen Objekte:
1 - 3) Plan, Aufriss und Durch schnitt des Gebäudes;
4) eine in Stein eingravierte Nachricht über die Grundsteinlegung, welche den Tag der Grundsteinlegung, den Namen des hohen Bauherrn, den Namen des Baumeisters und Bemerkungen darüber enthielt, dass das Gebäude aus den Privatmitteln des Gründers errichtet werden wird;
5) das Moell der Befreiungshalle;
6) das Bildniss des Königs auf Porzellan gemalt,
7) sämmtliche Geschichtsthaler;
8) die bayrischen Münzen des laufenden Jahres;
9) ein Felddenkzeichen der Kriegsjahre 1813 bis 1814.

Die Niederlegung eines jeden dieser Gegenstände wurde von Trompetenstössen begleitet. Dazu wurde das Festlied gesungen ( Stuntz, Joseph Hartmann: Chorgesang zur Grundsteinlegung der Befreiungshalle, am 19. Oct. 1842 ; gedichtet von König Ludwig I. ; in Musik gesetzt für 4stg. Männerchor mit Begl. e. vollst. Militairmusik, Partitur, München )

Heil Euch, wackere Männer, muth'ge Krieger,
Die errungen Ihr dem Heldenkranz,
Heil Euch, treue Teutsche, tapf're Sieger!
Ewig währet Eurer Thaten Glanz.

Dumpf und finster hatt# es uns umgeben,
Und kein Teutschland gab es damals mehr;
Ihr doch schwangt auf's Neue es zum Leben,
Siegreich ragt es wieder hoch und hehr!

Das die Zwietacht schmählich uns gekettet,
Diese vergessen werde nie und nie,
Dass die Eintracht uns allein gerettet,
Die der Heimath Ruhm und Sieg verlieh.

Durch der Zeiten weite Ferne schlinge
Immer sich der Eintracht ehlig Band,
Jedes Teutschen Seele ein durchdringe,
Unbesiegt bleibt dann das Vaterland.


Nachdem der Deckel des Grundsteins und der Grundstein selbst durch das technische Personal geschlossen, versiegelt, und in seine endgültige Lage gebracht worden war, überreichte der Hofmarschall dem König, den auf einem Kredenzteller liegenden silbernen Hammer, damit Dieser, die zu solchen Anlässen üblichen drei Schläge auf den Deckel des Grundsteines ausführen konnte. Diesen symbolischen Akt wiederholten anschließend die Königin Therese, der Kronprinz Maximilian und die Kronprinzessin Marie, die Erbgrossherzogin Mathilde von Hessen, Prinz Luitpold, Prinz Karl, der Prinz und die Prinzessin Wilhelm von Preussen, Herzog Max in Bayern, Herzogin Paul von Würtenberg, Fürst Taxis, das diplomatische Korps, die bei dem Fest gegenwärtigen Minister und Grossbeamten, der Bischof von Regensburg, und zu guterletzt der Baumeister der Befreiungshalle, Friedrich von Gärtner.
Nach Beendigung der Zeremonie der Grundsteinlegung lud der König zu einem festlichen Bankett im Gasthaus "Deutscher Hof" in Kelheim ein und sprach dabei unter anderen, folgenden Toaste:
"Unserem gemeinsamen deutschen Vaterlande, das keinem andern Lande nachsteht, das sich zu fühlen anfängt, das sich von keinem Fremden mehr wird unterdrücken lassen! Deutschland hoch!"

Den Bau der Befreiungshalle beschloss der König Ludwig zur Erinnerung an den Befreiungskampf und der Befreiung Deutschlands aus dem Joch Napoleon's und war zunächst als Denkmal für die Schlacht bei Leipzig gedacht. Der Architekt Friedrich v. Gärtner, Direktor der Akademie der bildenden Künste, machte den Entwurf. Die technische Leitung des Baues übernahm der Architekt A. Mühe.