Eröffnungsfeier

 

Kelheim bot alles auf, um den Tag der Eröffnungsfeierlichkeiten der Befreiungshalle würdig zubegehen. Es erschien damals ein eingenes Programm über diese Festlichkeiten, welche vom 17. bis einschließlich den 20. Oktober 1863 währten. Die prächtig dekorierte Stadt empfing den Bauherrn, König Ludwig I, gegen Mittag des 17. Oktobers bei schönstem Wetter. Nachdem die Eröffnungsfeierlichkeiten am 20. Oktober durch Böllerschüsse Ihren Abschluss fanden, endeten diese Festlichkeiten abends durch einen grossartigen Ball im Gasthaus »Zum Deutschen Hof«. Hier hatte König Ludwig auch sein Quartier genommen, so wie er es während der gesamten Bauzeit der Befreiungshalle zu tun pflegte (in den Räumlichkeiten des ehemaligen Gasthauses befinden sich heute die Kelheimer Volkshochschule und die Bücherei).

Die Festlichkeiten begannen am Abend des 17. Oktobers mit einem musikalischen Rahmenprogramm und fanden am Hafenbecken des Kanals statt. König Ludwig I. wohnte auf einem hell erleuchteten Dampfschiff einem am Hafenbecken und am Michelsberg abgebrannten Feuerwerk bei. Eine zur damaligen Zeit besonders imposante Wirkung erziehlte vermutlich die durch bengalische Fackeln erziehlte Beleuchtung der Befreiungshalle, welche das Bauwerk aus den nächtlichen Schattes des bewaldeten Berges auf beeindruckende Weise hervor hob.

Die zu den Eröffnungs-Feierlichkeiten geladenen Gäste versammelten sich am 18. Oktober Mittags gegen 1 Uhr in der etwa 300 Schritte westlich der Befreiungshalle gelegenen Verwaltungsgebäude, der damaligen Wohung des Hausmeisters. Von dort führte Hofmarschall General du Jarrys Freiherr von La Roche die Gäste den von Spalieren gesäumten Weg bis zur Freitreppe. Dort begrüsste König Ludwig dieAnkommenden als "seine alten Kriegskameraden". Während die Geladenen die Treppe hinaufstiegen, ertönten von der äusseren Säulengallerie militärische Fanfaren. Ein Sängerchor trug den von August Becker, dem Dichter des "Jung-Friedel", verfassten Festgesangs in der Melodie des Walhalla Liedes vor:

Brausend wie ein Hochgewitter schalle heut des Sieges Dank,
Wo vor deutscher Kraft in Splitter einst des Fremden Herrschaft sank.
Ewig diesen Tag zu feiern hob sich an dem Donaustrand
Prächtig in dem Gau der Bayern deutschen Ruhmes hoher Dom.

Sieg für Sieg aus Schildesrahmen glänzt die grosse Heldenzeit.
Hier bei diesen hohen Namen denkt daran, was uns befreit!
Einig zu dem Bau der Halle Stamm für Stamm im Bild sich reiht -
Deutschland hat ja Ruam für Alle - Ihm sei jede Kraft geweiht!

Denkt, was einst wie Gottes Blitze in die Feinde niederfuhr!
Bei dem Donner der Geschütze hört der Eintracht heil'gen Schwur!
Knüpfen wir beim Lob der Ahnen selbst der Eintracht festes Band,
Bleibt der Sie bei deinen Fahnen, grosses deutsches Vaterland!

Jugendfrisch wirst du erstarken in der alten Heldenkraft,
Und an unsern fernsten Marken flaggt dein Banner stolz vom Schaft.
Greif ein Feind mit kecken Händen seine Ehre frevelnd an:
Reisst die Waffen von den Wänden! deutsche Jugend stürm' heran!

Und vor wildem Schlachtengrauen, Büchsenknall und Schwerterschlag,
Sei verstummt in Deutschlands Gauen Redespiel und Festgelag.
Erst errungen, was im Westen, was im Norden es verlor:
Dann in heil'gen Siegesfesten Jubeln wir zu Gott empor!

Ja, der Pulvernacht entsteigen wird ein Tag voll Siegesglanz,
Der das Vaterland wird zeigen mächtig, unversehrt und ganz.
Weltbeleuchtend, sonnenscheinig lodern der Begeist'rung Brand,
Deutschlands Völker jubeln einig: Heil dir grosses Vaterland!

Nun sprach Se. Majestät folgende Worte:
"Willkommen, tapfere Krieger des Befreiungskampfes, willkommen Alle. Es ist Deutschlands herrlichste Zeit; an ihr wollen wir festhalten. Ich kann nur sagen, was ich ier in der Befreiungshalle geschrieben: Möchten die Deutschen nie vergessen, was den Befreiungskampf nothwendig gemacht, noch wodurch sie gesieght."

Von Österreich waren eingetroffen Feldzeugmeister Heinrich Freiherr von Hess (der vormalige Chef von Radetzky's Generalstab), von Preussen General-Feldmarschall Freiherr von Wraugel, von Würtemberg im Namen seines hochbetagten Landesherrn der Kriegsminister General von Miller, von Hannover der Kriegsminister General von Brandis, von Bayern Seine Königliche Hoheit der Feldmarschall Prinz Carl (der Bruder des Königs Ludwig), die Generale Freiherrn von Hohenhausen, General der Cavallerie Fürst von Thurn und Taxis, von Flotow, die Generallieutenants von Bosch, Keller Freiher von Schleitheim, Freiherr von Magerl, von Roppelt und von Krazeisen, mit deren Adjutanten 13 an der Zahl. Der Erste, nach dem König Ludwig fragte, war der "alte Wrangel".
Alsdann lud der hohe Erbauer seine Gäste ein, gleich ihm einzutreten. Während der Besichtigung wurde von einem auf der Gallerie befindlichen Sängerchor der vom König selbst gedichtete (siehe Grundsteinlegung) Chorgesang zur Grundsteinlegung und bald darauf "Was ist des Deutschen Vaterland" gesungen, nach dessen Beendigung die Versammlung durch erstmaliges Einschreiben in das Fremdenbuch ein Andenken an das Fest und Ihre Anwesenheit bekundete. Das auf der Gallerie versammelte Publikum riet dem hochbejahrten, aber immer noch sehr rüstigen und freudig erregten Fürsten Lebehochs zu. Damit endete die Feier in der Halle. Wie bereits erwähnt, war trotz der vorgerückten Jahreszeit der 18. Oktober vom herrlichsten Wetter begünstigt. Eine nicht zu schildernde Menschenmenge hatte sich von allen Seiten her eingefunden. Wo sich König Ludwig blicken liess, wurde er stürmisch begrüsst. Man sah es ihm an, wie beglückt er sich fühlte, dieses dem deutschen Ruhm und der deutschen Einheit geweihte Nationaldenkmal vollendet zu sehen.
Ungemein interessierte sich dei herbei geströmte, ab und zu wogende Menge für den fünfundsiebenzigjährigen k. k. Feldmarschall Freiherrn von Hess, welcher die Schlacht bei Leipzig bereits als Hauptmann im Generalstabe mitgemacht und dem 1859 ungerechter Weise der Oberbefehl in Italien vorenthalten worden, ferner für Se. Kgl. Hoheit den Prinzen Carl von Bayern, der achtzehn Jahre alt bei Brienne am 1. Februar 1814 eine Brigade befehligend den Seinen als Beispiel wahren Muthes voran leuchtete.
Nach der Heimkunft von der Eröffnung war im deutschen Hofe Tafel bei Seiner Majestät, gegen deren Ende Lützow's wilde verwegene Jagd in Begleitung von Hörnern und Blechmusik abgesungen wurde. Einen Toast auf ganz Deutschland brachte König Ludwig aus, Feldmarschall Freiherr von Hess begrüsste den erlauchten Dichterfürsten im Auftrag und Namen seines Kaisers, auch Freiherr von Wrangel liess noch einmal den König leben und dieser trank schliesslich auf das Wohl aller Anwesenden, wobei er der Manen Schwarzenbergs und Blüchers gedachte.
In Kelheim selbst war Abends ein brillanter Fackelzug, Illusmination der beiden Königsdenkmale und Freudenfeuer auf allen Bergen ringsum, so weit das Auge reichte.

Wie nun zu sehen, weihten, nachdem der allerhöchste Bauherr durch seine Namenseinzeichung den Anfang gemacht, die Folgenden - als dessen geladene Gäste - das aufliegende Fremdenbuch ein:
Seine Majestät der König Ludwig - Hofmarschall Freiherr von La Roche - Generalmajor von Teetze - Major von Gmainer -
S. K. H. Prinz Carl - Oberstlieutenant Struntz - Freiherr von Hess, k. k. österr. Feldmarschall - Major von Beck - Major von Stiehl - Lieutenant Graf von Halnei - Freiherr von Brandis, kgl. hannoverischer General der Infanterie und Kriegsminister - Oberst Kaller, Adjutant - Fürst Theodor von Thurn und Taxis, General der Cavallerie - von Flotow, Generallieutenant - Freiherr von Hohenhausen, Generallieutenant, Capitaine des Gardes - von Bosch, Generallieutenant - Freiherr von Schleitheim, Generallieutenant - Freiherr Friedrich von Magerl, Generallieutenant - von Roppelt, Generallieutenant - von Krazeisen, Generallieutenant - Geheinrath von Klenze, der Baumeister der Befreiungshalle